Eine leere Kiste im Universum und Vroni Lebkuchen

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Es gibt Lebkuchen Baby!

Vroni Lebkuchen um genau zu sein. Was sind denn bitteschön um Himmels Willen „Vroni Lebkuchen“? Und warum sind die besonders toll? Und was hat eine leere Kiste damit zu tun? Ist es die von der Ananassahnetorte? Gehören da die Lebkuchen rein?

Dazu muss ich Ihnen vielleicht erklären, wer die Vroni ist. Vroni ist mit einer meiner Lieblingsmenschen und das will schon was heißen! Ich habe da eine kleine Hand voll davon und habe heute, einfach weil ich gerade eben die Lebkuchen gebacken habe, mal die Vroni heraus gegriffen.

Kennen Sie Menschen, die Ihnen sehr nahe stehen, obwohl man sie nicht so häufig sieht? Einfach, weil man zu weit voreinander weg lebt? Doch wenn man sich dann mal trifft ist es, wie wenn wir uns niemals nicht aus den Augen verloren hätten. Ich finde ja, jeder braucht solche Menschen. Und Lebkuchen. Vor allem vor Weihnachten. Und zu Weihnachten. Ich gebe es zu, manchmal auch noch nach Weihnachten. Falls welche übrig sind. Und Vronis, ja die bräuchten wir alle, das ganze Jahr über. Immer und überall!

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Sind wir wieder bei der Vroni gelandet.

Vroni ist eine wahnsinns Frau, die Wahnsinns Lebkuchen bäckt! Wir haben sie kennen gelernt, da war unser Fräulein L. gerade in Planung und die Chemie zwischen uns hat sofort gestimmt. Sie redet nicht viel, sie macht einfach und das mag ich, wie Sie ja schon gemerkt haben, recht gerne. OK, gut, ich rede viel, jetzt haben Sie mich erwischt. Aber da Sie weiter lesen, denke ich mal, es ist schon irgendwie in Ordnung,…

Aber es gibt so Menschen,

da muss man nicht viel reden, bitten, bettel, diskutieren, hinterfragen, planen, einteilen. Nein, die sehen, dass was gemacht gehört, was im Argen ist, irgendwie Hilfe gebraucht wird. Dann krempeln sie die Ärmel hoch und packen mit an.

Auf Partys, wenn alle Leute chillen, small-talken, rumstehen, tanzen, rauchen, dann gehen Menschen wie Vroni (und auch Ihre Frau B.) in die Küche und räumen mal eben die Geschirrspülmaschine ein. Gucken nach dem Rechten. Wenn jemand Hilfe braucht, wie neulich, die liebe Käthe, die ich ja zwengs der Tortenfusion befragt hatte, dann steig ich halt ins Auto. Oder der Christian Senff mit seinem Nougatbuch, erinnern Sie sich? Überhaupt, einander helfen, füreinander da sein. Gemeinsam alle Kisten schleppen, dann geht es schneller!

Vroni ist für mich da irgendwie so eine Säule, ein Anker. Das gute Gewissen, mein Engelchen, das auf der Schulter sitzt. Ja, OK, vielleicht lieber nicht, die Vroni ist nämlich eine, wie sagt man da? Gstandene Frau!

Als ich dann mit dem Fräulein, sozusagen, trächtig war, da hab ich die Vroni mal daheim besucht. Sie hat damals noch in ihrem Elternhaus gelebt und so wurde ich von der herzenslieben, bodenständigen Mama in die Arme geschlossen und natürlich, ich war ja schließlich schwanger, gefüttert. Ich schwöre, ein Grießbrei mit frischer Milch und Butter (Oh ja! Reichlich davon!) aus der eigenen Viehhaltung, Zimt und Zucker, aus so einer kleinen Blech Kiste im Küchenschrankerl und Sie schweben. Na gut, nach zu viel davon vielleicht nicht mehr, aber hallo, ich war schwanger!

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Vroni ist einer der wenigen Menschen,

bei denen ich ehrfürchtig eingestehe, dass sie genial lecker kocht und bäckt. Mein lieber Guiseppe ist der andere im „arbeitet nicht als Koch“ Sektor, doch davon mal ein andermal. Gucken Sie mal den Beitrag vom Felsenmeer an, da waren wir gemeinsam,…

Die Rezepte sind teilweise solche, die über Generationen, auf dem Land, in so kleine vergilbte Bücherl geschrieben worden sind. Oder einfach mündlich überliefert wurden. Ich hab da ja mal ein ganzes Buch von unseren Familienrezepten geschrieben, erinnern Sie sich? Es wurden oft Zutaten verwendet, die man selber angebaut hat, oder sammeln konnte. Daher auch die Verwendung von Walnüssen. Soweit ich mich erinnern kann, steht hinter dem Elternhaus ein großer, knorriger, alter Walnussbaum,…

Und diese Lebkuchen gehören dazu. Vroni bäckt sie, soweit ich weiß, etwas größer, aber ich steh ja auf diese kleinen putzigen Dinger, damit man möglichst viel vom Plätzchenteller kosten kann. Außerdem passen die kleineren Vroni Lebkuchen viel besser in die dafür vorgesehene Kiste,…

Also bitte nicht böse sein, wenn Du das Rezept liest, ich hab ein bisserl was verändert.

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Zutaten

70 g Butter

100 g Zucker

25 g Kokosblütenzucker

25 g Honig

2 Eier

150 g Mehl

50 g Mandeln

200 g Walnüsse

100 g Orangeat

100 g Zitronat

50 g Rosinen

50 g Sultaninen

125 ml Milch

1 Pck. Backpulver

1 TL Kakao

1 TL Zimt

1 Prise Nelke, Muskatblüte, Kardamom, Piment

1 Prise Salz

Walnussviertel zur Dekoration

Ca. 60 kleine Oblatten (ich nehme die mit Durchmesser 40mm)

Glasur:

200 g Puderzucker

3 Tropfen Mandarinenöl

Etwas Wasser

Zubereitung

Backofen auf 160° Umluft vorheizen und mindestens 2 Backbleche mit Backpapier belegen.

Butter schmelzen lassen.

Nüsse fein mahlen.

Zitronat, Orangeat, Rosinen und Sultaninen so fein wie möglich hacken. Ich habe dieses Mal einfach ein wenig vom Mehl/ den Nüssen darauf gestreut, dann haben die Kerlchen bei weitem nicht so gepappt,…

Alle Zutaten gut miteinander vermengen (es reicht ein Kochlöffel und eine große Schüssel).

Masse in einen Spritzbeutel ohne Lochtülle geben und kleine, etwa Walnussgroße Häufchen auf die Oblaten spritzen. Am besten geht das, wenn man die Oblate mit einem Finger festhält.

Eine viertel Walnuss darauf drücken und für ca. 15 Minuten bei 160° Umluft backen.

Den Puderzucker mit den Öl und so viel Wasser vermischen, dass eine nicht zu dicke Masse entsteht. Wir wollen ja keine weißen Lebkuchen, es geht nur darum, einen schönen Glanz und leckeren Geschmack zu bekommen.

Trocknen lassen und losfuttern.

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So, jetzt haben wir alle den lecker verführerischen Duft von Vroni Lebkuchen in der Nase,… Können die mit Herrn B.’s Zimtsternen konkurrieren? Sind wir alle, durch das Nüsse Sammeln und Knacken schon vollkommen in unserer Mitte, grundentspannt, sozusagen?

Dann darf ich jetzt

vielleicht noch einmal den Faden aufgreifen. Die Verbindung von Vroni Lebkuchen, einer Kiste und worauf ich heute mal raus möchte,…

Ich habe schon länger überlegt, wie ich das formulieren könnte.

Und da kam mir gestern unser lieber Besuch gerade recht. Leider nicht die Vroni mit ihrer Familie. Es ist kurz vor Weihnachten und die Kinder sind ja, wie unsere in Schule und Kindergarten. Ganz von den vielen Arbeiten abgesehen, die uns alle, kurz vor diesem Fest, in der vermeintlich staden Zeit, hektisch werden lassen.

Und da hat es gestern die liebe Iris Dem C. richtig schön erklärt. Wie das so ist, mit den Kisten und der Familie, den Freunden und der ganzen Welt. Und warum die Welt besser funktionieren würde, wenn sich mehr Menschen eben an dieses Prinzip halten würden.

Ich habe während dessen Zimt Baisers aufs Backblech gespritzt und meine Ohren gespitzt.

Dem C. wurde folgendes erklärt:

Überleg mal, Deine Familie, Dein Freundeskreis, alle Menschen sind ein Team. Jeder hat eine Rolle, die er besonders gut ausfüllen kann, hat etwas, was ihn besonders macht. Es gibt ganz viele Tage, da bist Du supergut gelaunt, gut drauf, hast viel Kraft. Da gibst Du das, was Du kannst, was Dich ausmacht, in eine große, unsichtbare Kiste. Du trocknest Geschirr ab, bringst Handtücher runter in den Trockner. Du holst Getränke aus dem Keller, hilfst Gemüse schneiden. Du lachst, kuschelst, hörst zu. Manchmal lernst Du auch besonders viel an einem Tag, übst etwas besonders intensiv. Du gibst viel von Dir, Deiner Seele, Deiner Kraft in diese Kiste hinein. Vielleicht geht es gerade jemandem anders aus Deinem Team nicht ganz so gut, der kann vielleicht nicht so viel in die Kiste hinein legen.

Doch weil Du und viele andere, die mitmachen, ganz viel hinein geben, funktioniert trotzdem alles super weiter. Die Kiste wird nicht leer, jeder, der etwas braucht, kann und darf sich daraus bedienen. Denn alle vertrauen darauf, dass er, wenn es wieder besser wird, auch wieder mit auffüllt.

Und wenn es Dir mal nicht so gut geht, dann darfst Du das auch machen. Dann darfst Du Dir Kraft aus der Kiste borgen, etwas erbitten, aus der Gemeinschaft.

Wie unendlich weise und zutreffend diese Worte sind!

Ich meine, die Kiste mit den Vroni Lebkuchen wird irgendwann mal leer sein. Und das ist auch gut so.

Aber wenn wir alle miteinander so umgehen würden, in der Familie, den Freunden, im Beruf, in unserem Leben. Wenn wir alle immer bemüht sind, unser Bestes zu geben, helfen, wenn Not am Mann ist, dann müsste dieses System doch funktionieren! Wir hier, in unserer Familie, wir leben dieses Prinzip.

Manchmal leider auch mit schlechten Erlebnissen. Ich stecke Kraft, Arbeit, Liebe, Herzblut und Leidenschaft in jeden Artikel, ein Projekt, eine Arbeit, jeden gespendeten Kuchen, in alles, was ich tue und erhalte manchmal keine Gegenleistung dafür. Dann weiß ich, dass ich wieder einen Menschen gefunden habe, der oder die das Prinzip nicht verstanden hat.

Doch glücklicherweise bin ich so von Vroni Lebkuchen gedopt, dass mir das nichts ausmacht. Ich weiß, dass dafür viele, viele andere Menschen, die vielleicht leise und im Hintergrund sind, meine Kiste heimlich auffüllen. Bin mir sicher, dass ich in die Kiste greifen kann und darf, wenn mir mal die Puste ausgeht. Ich glaube daran, dass mir andere Menschen helfen werden, wenn ich sie darum bitte.

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So wie meine Vroni, mit den Lebkuchen!

Ich möchte Dir, jetzt vor Weihnachten auch nochmal sagen, schreiben, OK, OK.

Du bist ein unglaublicher Mensch! Eine tolle Frau, Mama, Freundin! Du bist toll, so wie Du bist, lebst, lachst, denkst und neben Deinen Kindern, dem wilden Mann Deines Herzens, Deinem Job, noch Deine Küche und Vorratshaltung regierst. Wie Du Dich engagierst, Bierkrüge auf den Straubinger Volksfest wuchtest, lachst und ängstliche Hunde einfach unter Deinen Arm steckst und schrubbst! Danke für die sensationelle Torte zu meinem 40. Geburtstag, danke für Deine Freundschaft. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn ich an Dich denke, Deine Rezepte koche oder backe und die Kinder fragen „Des ist ein Vroni-Rezept, oder?“. Ich weiß, dass Du da bist, wenn meine Kiste wieder ein bisserl Füllung braucht! Ich vermisse Dich und freue mich, Dich bald wieder zu sehen!

Was ist mit Ihnen?

Glauben Sie an das Kisten Prinzip? An einen universellen Ausgleich? Kennen Sie eine Vroni? Oder ein Rezept für Lebkuchen?

Wir könnten schon einmal, auch wenn vor Weihnachten jetzt wenig Zeit herrscht, gemeinsam etwas machen. Wir könnten Danke sagen, an alle Menschen, die für uns da sind, uns unter die Arme greifen, schwere Kisten die Treppe hochschleppen, ein Parkticket weiter reichen. Wir könnten die große universelle Kiste mit Lachen füllen, mit ehrlichen Dankesworten, mit kleinen Gesten. Herzklopfen und rote Wangen verteilen, wann haben Sie das das letzte Mal gemacht?

Dann wird die Vorweihnachtszeit, trotz all des Trubels, doch noch besinnlich.

In diesem Sinne,

Ihre FrauBpunkt

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2017-10-09T16:00:12+00:00 Dezember 5th, 2016|

4 Comments

  1. […] Eine leere Kiste im Universum und Vroni Lebkuchen […]

  2. Pablo Puluke Giet 9. Januar 2017 at 4:51 pm - Reply

    Sehr bewegende Geschichte, vielen Dank dass Du, uns daran teilhaben lässt. Jeder sollte sich um die Kisten der Anderen kümmern. So wird die eigene Kiste automatisch voller. Jeder sollte eine Vroni haben und eine Vroni für jemand anderen sein. Leider mag ich weder Orangeat Zitronat noch Rosinen, gibt es dafür eine alternative? 😉 LG

    • Frau B. 9. Januar 2017 at 8:11 pm - Reply

      Lieber Pablo,

      gell, so a Vroni is fein!

      Wenn Du weder Orangeat, Zitronat noch Rosinen magst, behilf Dir doch einfach mit getrockneten Feigen Datteln, Aprikosen, getrocknete weiche apfelringe… Oder wie wäre es mit kandierten Quitten, oh, oder Amarenakirschen, leicht angedörrt? Ich glaube, das teste ich nächstes Jahr mal,…. Oder Morgen? 😉

      Bis bald, Martina

  3. […] in unserem Leben, die sind einfach da. Man lernt sie kennen, oft durch einen Zufall, stolpert sozusagen fast darüber. Es fühlt sich sofort richtig und gut an. Egal was passiert, wie lange man sich dazwischen mal nicht trifft, die Verbindung ist da. Ich schätze mich glücklich, im Laufe der Jahre viele tolle Menschen, einzigartige Charaktere, kennen gelernt und „gesammelt“ zu haben. Unsere Vroni ist da auch so eine Kandidatin. Erinnern Sie sich? Jeder sollte eine Vroni im Leben haben. […]

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