Der Odenwaldcross

So ist das Leben. Es kommt immer anders als man denkt.

Hier zum Beispiel. Eigentlich erwarten Sie ja den Artikel über Frau B.s 40ten Geburtstag. Zu Recht darf ich anmerken. Peggy und Christian von Christian Oster Wedding Photography waren mit dabei und haben sensationelle Fotos geschossen. Die beiden hatten uns ja schon im Frühling kunst- und gefühlvoll zu unserem 21 Jahre Jubiläum „eingefangen“.

Doch ich muss einlenken. Ich werde natürlich voller Leidenschaft und Freude über die Feier, das Bier, die Salate, den Candytable, die Band und das Spanferkel berichten. Ehrensache. Ich möchte mit der ganzen Welt meine Freude, wenn ich an diese Feier denke, teilen.

Geburtstag

Aber nicht heute, nicht jetzt, nicht in diesem Artikel.

Herr und Frau B. haben nämlich das letzte Wochenende am

OdenwaldCross

teilgenommen. Organisiert wird diese legendäre, gefürchtete und geliebte Kultradtour von Jörg Wellmann. Visionär und Inhaber eines exklusiv und fein sortierten Mountain Bike Ladens. Wer sich auch nur ansatzweise für Profiradsport, Triathlon, Downhill, Cross-Country oder einen Alpencross interessiert und im Frankfurter Raum lebt, sollte sich bei Jörg und seinem Team beraten lassen.

Oder so wie Ihre Frau B., die einfach gaaanz unschuldig und blauäugig in die ganze Fahrradnummer rein gerutscht ist. Naja, bei uns hat es halt viel Wald und Feldwege, da macht so ein Mountain Bike schon Sinn. Da die Nachbarin, die liebe M. vor einem Jahr ein neues Rad gekauft hat, habe ich kurzerhand einfach ihr „Altes“ übernommen. Und damit Herr B. künftig mit Nachbar O. spielen gehen, besserl radeln kann, wurde aus dem Keller ein richtiges oldschool Bike für ihn organisiert.

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Nun sind unsere beiden Herren beseelt von schlammigen Pfaden, bergigen Wegen, dem gegrillten Steak danach, oder auch einer leckeren Lasagne davor und von der Idee, mal einen richtigen großen Fahrradtrip zu machen. OK, nicht so groß, haben wir ja nur begrenzt Zeit zur Verfügung, wenn wir das Fräulein L. und Den C. allein zu Haus lassen. Nachdem Sie letztes Jahr unseren brasilianischen Herzsohn schon, äh, kaputt gespielt haben. Kamen sie doch tatsächlich mit einem geschrotteten Helm, Fahrrad und noch viel schlimmer, einem vollkommen zerschrappten jungen Mann, wieder heim,… Da halfen auch meine schnellen Zimtschnecken nix. Das tat weh,…

Bei den Besuchen von Jörg und seinem Team, bestechlich übrigens mit Schokoladentorte, kam irgendwann das Gespräch auf den Odenwald Cross. Eine kleine Radtour, augenzwinkernd als „Fressen auf Rädern“ tituliert. Ein paar Kilometerchen, Hügelchen und wirklich tolles Essen, Picknick, super Hotels, ein feines lustiges Wochenende unter Gleichgesinnten.

Familientauglich sozusagen.

Und so buchten Herr und Frau B., nebst der beiden radelnden Nachbarn Tickets für den OdenwaldCross und ich, für meinen Teil beschäftigte mich nicht weiter groß mit Gedanken daran. Hatte ich doch die letzten Monate genug um die Ohren,… Fräulein L.’s Geburtstag, den 70.ten von Oma O., der Besuch bei der Roadshow von De’Longhi in Leizpig, Brot Backen mit KHS, eine wundervolle Teatime im Pfortenhaus Wiesbaden, die Herstellung der hausgemachten Teriyakisoße und noch sooo viel mehr. Hach, die Einführung des Rezeptsammelsuriums war auch viel Arbeit und ist immer noch nicht abgeschlossen.

Jetzt bin ich wieder abgeschweift, bitte entschuldigen Sie. Aber was muss, das muss, wie man ja so schön sagt. Ich möchte Ihnen nun die

Geschichte vom OdenwaldCross

erzählen.

Von einem Ausflug, der Ihre Frau B. an ihre mentalen und körperlichen Grenzen gebracht hat.

Gleich von Beginn an möchte ich sagen, eher zugeben, outen sozusagen, der liebe Jörg hat Ihrer Frau B. ein E-Bike ausgeliehen. Und zwar nicht so ein, sagen wir mal, Seniorenmodell für die Penny-Einkaufsfahrt, sondern ein richtig, wirklich, absolut endgeiles (tschuldigung, Sie sind ja solche Kraftausdrücke bei Frau B. nicht gewöhnt, aber wenn Sie das nicht vertragen, sollten Sie einfach den Artikel nicht weiter lesen) Mountainbike von Rotwild. Ja, hier im Artikel kann es jetzt nach Werbung aussehen. Und nein, ich habe ganz offiziell Leihgebühren berappt, war aber einfach schwer begeistert von meinem Rad. Ich finde, wenn etwas wirklich gut ist, darf man das auch mal ruhig schreiben.

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Frau B. und Herr B. haben sich natürlich, über Monate hinweg, vollkommen körperlich verausgabt und schon fast professionell auf den Cross vorbereitet. Selbstverständlich war unsere Ausrüstung auf dem neuesten Stand und wir haben uns gut eingestimmt und unglaublich viel über den OdenwaldCross gelesen.

Ok, gut, also wir waren ein paar Mal radeln und ich hab unsere Sachen mal durch gewaschen. Ach ja, und freitags war ich noch mal eben beim örtlichen Sportwarenhändler, Regenjacken kaufen. Fragen Sie nicht, was für Farben ich da reduziert erjagt habe, doch zumindest übersieht man uns damit nicht!

Unsere Gesamtkonstitution wurde vielleicht, also nur eventuell, ein wenig vom Spanferkel und dem vielen Bier, Prosecco, Wein, dem bescheidenen Törtchen und dem vielen Gefeier zu Frau B.’s 40ten, äh, beeinträchtigt. Also ob positiv oder negativ, das kann ich Ihnen jetzt aber so spontan wirklich nicht sagen.

Nun gibt es viele Fragen:

Wo beginne ich jetzt mit dem Bericht über den OdenwaldCross? Und was ist ein Cross wirklich? Warum war es gut, dass ich das nicht vorher wusste?

Der Samstag – Mein persönlicher Tag der Trauer

Am Samstag den 11.6.2016 fuhren wir also, Herr B. in seinem Auto, Frau B. in meinem Auto (zwengs der unhandlichen Räder) und die Nachbarn mit ihrem Auto, zum Hotel Brandhof nach Seeheim-Jugenheim. Die Nachbar-Profis haben natürlich einen Fahrradträger für die Anhängerkupplung.

Am Treffpunkt angekommen, setzte langsam aber sicher eine gewisse Erkenntnis bei mir ein. Ja, man kann sagen, es dämmerte mir, dass diese ganzen super fitten, sportlichen Menschen, mit ihren Rädern bestimmt nicht auf einen Schoppen Wein radeln würden. Ganz davon abgesehen, dass der Brandhof in einem recht schmalen Tal liegt, recht pittoresk, allerdings auch unten, also nicht oben, da wo wir ja hin sollten.

Nach der Einweisung, Aushändigung der Notfallhandynummern, falls wir Empfang haben sollten, radelten nun 40 Personen los. 31 normale Radfahrer, darunter auch mein Herr B., ein Wahnsinniger mit einem Fat-Bike (Du weißt, wie es gemeint ist!) und 8 E-Bike Fahrer. Und ich sage Ihnen, wow! An diesen beiden Tagen habe ich tiefen Respekt für alle nicht motorisierten Fahrer und Fahrerinnen empfunden.

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Ich hätte das ohne E-Bike niemals geschafft!

Denn wenn Ihre Frau B. kein E-Bike gehabt hätte, hätte ich mich einfach heulend, nach den ersten Höhenmetern, auf den Boden gesetzt und wäre nicht mehr weiter gefahren. Punkt. Die Strecke bis zum ersten Halt kam mir recht bekannt vor und tatsächlich sind wir oberhalb des Felsenmeers heraus gekommen. Wobei ich ganz ängstlich die Teerstraße gefahren bin und ein großer Teil der Gruppe einen super Steilen direkten Pfad gewählt hatte.

Bei unseren bisherigen Ausflügen zum Felsenmeer hatte ich zwar schon den ein oder anderen Radfahrer gesehen, aber dass ich selber mal mit dem Rad an der Riesensäule vorbei schubbern würde, hätte ich ja nie gedacht!

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Über das Lautertal ging es weiter nach Gadernheim, dann auf die Neunkircher Höhe zum Kaiserturm. Dort gab es die erste Verschnaufpause. Es gab für jeden noch lauwarmen Kuchen und wir konnten mal gepflegt hinter die Büsche schreiten. Biopause, wie man das im Radbekleidungsmarkenjargon so sagt.

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Und hier begann mein Fehler!

Ich war zittrig, ein wenig geschafft, ein bisserl demotiviert, weil ich nie die etwas schwierigeren Stellen mitgefahren bin. Ich hatte Angst, war so etwas ja noch nie gefahren. Ein Trial, was ist das denn bitte? Mit Wurzeln und so? Was macht man denn da mit dem Lenker und warum?

Statt zu fragen, die anderen zu beobachten fiel ich immer weiter zurück, war einer der letzten Fahrer. Wenn vor Dir niemand fährt, der es kann, wenn man Zeit hat, nachzudenken, dann verwandeln sich die Knie in Pudding! Meine zumindest.

Und dann denkt man nach, über die schmerzenden Handgelenke, die vielen blöden Steine, den Akku, den man ja nur sparsam einsetzten will. Wer weiß schon, wie lange die Tortour noch dauern wird? Dann kommt schon wieder so ein scheiß Huggel. Und noch einer, und noch einer und

DANN FÄNGT ES AUCH NOCH ZUM SCHEISS-REGNEN AN!

Auf dem OdenwaldCross gab’s Berge – überall hat es Berge

So habe ich, leider, grummelnd auf dem Bike gesessen. Mein Hintern tat mir entsetzlich weh, Hunger hatte ich und alles war blöd. Die Tour ging weiter nach Reichelsheim, am Beerfurter Schlösschen vorbei (schon wieder so eine Dreckshütte auf einem Scheiß-Berg!), auf den Morsberg (ja, dazwischen immer wieder bergab – meine Lichtblicke, wenn es nicht gerade über eine nasse Wiese ging), die Spreng, bis zur Russeneiche.

Normalerweise hätte mich diese gigantische Eiche mit tiefer Ehrfurcht erfüllt. Aber weil ich ja schon im „ich hasse alles“ Modus war, fand ich die auch nur doof. Ein Baum halt,…

Der Himmel hatte anscheinend seinen Spaß daran, uns mit Regen in den Schafstall zu jagen. Denn das eigentliche geplante Picknick unter eben jeder Eiche, konnte natürlich nicht stattfinden.

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Im Schafstall

warteten bergeweise belegte Brötchen und eine superleckere Hühnchensuppe auf uns. Zufällig hätte ich hier im Blog ja auch ein Rezept für so eine. Klar, nicht die, die wir dort bekommen hatten. Die war gigantisch lecker und gab wieder richtig Kraft. Die anderen, die statt der einfacheren Waldwege die schwierigeren Trials gewählt hatten, kamen kurz nach uns an. Hier viel mir auch richtig auf, wie extrem gut die meisten auf den OdenwaldCross vorbereitet und trainiert waren.

Nach der Pause, die armen Schafe mussten draußen stehen, während wir warten konnten, bis der Regen nachlässt, ritten wir wieder los. Verdammt, das einem der Hintern so weh tun kann, hatte ich bisher so noch nicht gedacht. Die von mir getaufte Flutschcreme zeigte bei den Biopausen ihre zweite tolle Wunderwirkung. Man bekommt damit nicht so schnell einen wunden Hintern und Pipi perlt super ab! Könnte man richtig groß vermarkten, das,…

Nachmittags war dann mein

Tiefpunkt

ES HAT MICH EINFACH ANGEKOTZT!!

Also, das müssen Sie sich mal vorstellen. Wenn man unmotiviert hinter den fitten Radlern her fährt. Wenn man gefrustet ist, weil einem alles weh tut, man aber quasi nur eine Lusche ist, weil man ja mit einem E-Bike fährt. Und dann kam da auch noch ein Monster-Trial. Mit Sprungschanzen, Boden -äh- Löchern. Da gab es Steilkurven, Wurzeln, Wellen, Huggel und was weiß ich nicht alles. Und es war niemand vor mir, nur jemand weit hinter mir. Und ich hatte Schiss. Ja, ich kann es nur so direkt sagen. Mir ging der Hintern auf Grundeis. Also habe ich viele Hindernisse einfach geschoben und geschimpft, nun gut, geflucht.

Wo genau das alles war und wie ich den restlichen Tag überstand, kann ich Ihnen nicht sagen. Es ging jedenfalls laut Plan über Michelstadt zur Schimmelshöhe, dann nach Vielbrunn und endlich, in die Geiersmühle. Irgendwo auf dieser Strecke ging es so lange und steil bergauf, dass ich schon fast heulend abbrechen wollte. Das Rotwild hat eine Schiebehilfe, weil das Rad ja wesentlich schwerer als ein normales Mountainbike, ist. Aber mein Hirn war so leer, dass ich nicht mehr wusste, wie man die einschaltet, also hab ich das Ding so geschoben.

Oben angekommen hab ich meinen Kopf gehoben und einen wirklich beeindruckend steilen Pfad, auch wieder mit Wurzeln (naja, im Wald hat’s halt Bäume) und Steinen gespickt. Und ich sag Ihnen mal was! Scheiße, ein großer Teil der Radfahrer fuhr oder schob da hoch! Die wirklich guten E-Bike Fahrer mit Rotwilds schossen, wie Harry Potter (danke an Ulli für den Vergleich!) auf dem Besen da hoch. Der Rest war langsam, aber stetig. Und wieder knickte Ihre Frau B. an diesem Tag ein. Ich schloss mich einer kleinen Gruppe an, die außen herum, eine langweilige Strasse fuhr.

Aua, Jammer, Wehklag!

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Die letzte Abfahrt des Tages (nach dem letzten Huggel und den abgeschlossenen 1650 hm bergauf, 1600 hm bergab, insgesamt geradelten 59 km) führte und alle in einem Affenzahn in die

Geiersmühle!

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Roberto und seine Familie haben ja schon öfter für den Odenwald Cross als Ziel fungiert und so war die Ankunft einfach grandios. Die Räder konnten mit dem Gartenschlauch abgespritzt werden, es gab Getränke und herrlich leckere Pizzastückchen für alle.

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Die Schlammflecken wurden verglichen, es wurde gelacht, langsam entspannt und wir stellten alle fest, dass , äh, Sommersprossen anscheinend in sind.

Herr B. und ich waren, mit vielen anderen Fahrern, für die Übernachtung im

Parkhotel 1970

untergebracht. Jörg hatte das Gepäck schon dort hin bringen lassen und wir machten, nach einer ersten Verschnaufpause, mit dem Bus eine Zeitreise.

Meine Herren! So etwas habe ich bis dato noch nie zuvor gesehen!! Das ist tatsächlich mal zwei Ausrufezeichen und einen eigenen Artikel wert! Das Luxushotel aus den 1970 gern, das nach 20 Jahren Dornröschenschlaf zu neuem Leben erweckt wurde ist absolut einzigartig! Es wurde, aus familiären Gründen, 1993 sozusagen eingemottet. Das Mobiliar und die Ausstattung blieben über 2 Jahrzehnte ungenutzt, wurden jedoch trotzdem sorgsam gehegt und gepflegt.

2011 übernahm die Enkelin der Deitrichs, Ann-Katrin Thimm die Führung des Parkhotels und sorgt seitdem für strahlende Gesichter unter den Gästen. Ann-Katrin, ich möchte unbedingt nochmal in Ruhe kommen, fotografieren und dich mit deinem Hotel standesgemäß porträtieren! Das ist Luxus, das ist Originalität!

Das sind die 70ger!

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Nach dem Duschen und einem kurzen Nickerchen seitens Herrn B.s (er hatte ja kein E-Bikefür den odenwaldCross), wurden wir wieder für das

Abendessen in die Geiersmühle

gebracht.

Uh, wow, OK, nach dem dann zweiten Bier des Tages, oder war es das dritte, vierte, naja, Sie wissen schon,… hätte ich fast nix mehr zu Essen gebraucht. Aber ganz ehrlich, das wäre schön blöd gewesen.

Ihre Frau B. ist ja recht mäkelig und streng, was die Nahrungsaufnahme so anbelangt, zumindest, wenn ich nicht ausgehungert wie ein Bär bin. Doch Roberto und seine Küchenmannschaft verstehen ihr Handwerk. Das war so lecker, wir werde da auch mal mit dem Auto hinfahren,…

Es gab erst einen absolut traumhaft gewürzten gemischten Salat mit gebratenen Pilzen, Speck und klitzekleinen knusprigen Croutons. Dann hatten wir butterweiche Rehkeule auf Wirsing mit hausgemachten, in Butter geschwenkten Spätzle. Die Soße hätte ich fast, ganz undamenhaft, vom Teller geleckt,… Dann noch mehr Bier. Anschließend rundete das Essen eine exquisite Bayerische Creme auf einem Erdbeerspiegel ab. Lecker! Also oberlecker!

Vollgefressen, zufrieden und einigermaßen besänftigt gingen wir dann alle nacheinander in unsere Betten.

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Ich fahr da morgen nicht mehr mit!

War mein Hauptgedanke, als ich mich, neben meinem Herrn B. ins Bett gerollt habe. Ganz sicher nicht. Nö, so eine Scheiße! Warum tut man sowas? Wieso zahle ich dafür, dass ich Schmerzen habe? Warum soll ich ständig so Scheiß Berge rauf fahren, wenn ich dann doch wieder runter muss? Wo ist der tiefere Sinn dahinter? Warum gibt es hier kein WLAN? Und warum muss ich schon wieder pinkeln? (Gut, da hatte ich schnell eine Antwort. Wegen dem vielen Bier, Sie wissen schon,…)

Schlaf gut John-Boy!

Die Nacht über regnete es, wie in diesem Sommer leider so üblich, ganze Sturzfluten vom Himmel. Morgens dampfte alles und war sehr feucht. Egal, ich würde ja eh nicht mitradeln, das hatte ich doch am Vortag beschlossen.

Bei dem atmosphärisch sensationellsten Frühstück ever, machte es in meinem Kopf „rattter, rattttterrrrr“.

Die Leute um uns herum, der Frühstückstisch, die Schmelzkäsezubereitungsecken, Plastiktischabfalleimer, Fruchtcocktails, der Aspikaufschnitt, die Gespräche, Lampen, Möbel, das Gelächter. Ich fühlte meine Mauer bröckeln. Wenn der Tag so toll angeht, dann muss er doch  genial werden!

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Ja und dann waren wir wieder in der Geiersmühle.

Sonntag Morgen

Ich hatte mir immer noch vorgenommen, mir Jörg zu reden, wie ich das mit dem Abbruch machen kann.

Aber – Moment – die Stimmung, das Adrenalin, die Konzentration, das geschäftige Treiben. Räder vorbereiten, noch einmal durch checken. Kleinere Reparaturen, Ladegeräte entfernen, leuchtende Augen, Gewusel, neu geschlossene Bekanntschaften, Gespräche, Vorfreude, ein wenig Angst, Witze,… und dann saßen wir plötzlich alle wieder auf den Rädern,…

KLICK!

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Es hatte in meinem Kopf „klick“ gemacht! Mein Arsch, gut, vornehmer formuliert, meine Sitzbeinhöcker, stöhnten auf. Nicht nur meine! Alle jammerten ein wenig rum, rissen Witze, ruckelten sich auf den Sätteln zurecht. „Hey, hast Du auch Flutschcreme in der Ritze?“ sorgte bei meinem „Fahrradnachbarn“ dafür, dass er beinahe vor Lachen vom Rad gekippt wäre.

Das macht ja Spaß!

Dieses Mal schiss (Sie wollten doch aufhören zu lesen, wenn es Ihnen zu deftig ist!) ich auf den Akku. Ich fuhr dieses Mal sozusagen im Mittelfeld der Radler mit. Und ich hatte die große Kamera mit dabei. Wir hatten zuvor in der Geiersmühle abgesprochen, dass ich teilweise fotografieren würde. Und das hat echt Spaß gemacht! Wir radelten zum Bremhof in Richtung Limeswanderweg. Soweit ich mich erinnern kann, sind die coolen Matschfotos auch auf dem Weg entstanden. Ich hatte ich hinter einer 3 Meter langen 20 cm tiefen Schlammkuhle positioniert. Der Weg führte mitten da durch und durch den Regen in der vorhergegangenen Nacht war alles schön matschig und rutschig.

Der Blick „Cool, da ist sie mit der Kamera“ wechselte meistens spontan zu einem „Oh Scheiße, was ein riesen Matschloch! Aaaaaaargh!“, sehr lustig,…

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Wahrscheinlich als Strafe dafür ist Ihre Frau B. wenig elegant bei einer so vermaledeiten Längswurzelscheißdrecksverdammtichkonntenichtmehrausweichen-Geschichte über den Lenker abgestiegen. Gebremst habe ich souverän mit dem Gesicht und den Knien und dabei erst mal festgestellt, dass der Waldboden nach so einem Regen erstaunlich weich ist. Mit dem Gesicht im Dreck liegend – und ja, ich musste auch kurz mal weinen – hab ich dann erst mal meine Gliedmassen sortiert und René, einer der Guides, half mir wieder hoch.

„Komm, Du kannst auch einfach schieben,…“

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Und dann hat es nochmal „klick“ gemacht. Das Rotwild Rad war immer noch heile, meine Knie schmutzig und ein wenig aufgeschrappt. Doch dann kam noch etwas,… ADRENALIN!

Irgendwann vor oder hinter Lützelsbach, oder am Dammberg, der Obrunnschlucht, vielleicht auch Höchst oder Annelsbach, hat es mich noch einmal vom Sattel gezogen. Das war so eine Kopfsache. Was hab ich geschrien! Ich habe gebrüllt! Den Scheiß Pfad angebrüllt, die Wurzeln, den Berg!

LAUT SCHREIEN HILFT!!!!!!

Und dann bin ich wieder aufgestiegen und weiter geradelt. Über Wurzeln, durch Schlammspurrinnen, Pfützen, Matsch, über rutschige Wiesen, rauf, runter, immer weiter. Dabei witzige Gespräche, Gelächter, Freude!

Ich lebe! Ich bin lebendig! Ich radle, weil ich es kann! Ich radle, weil es Spaß macht, weil es eine Grenze zeigt, die ich nicht kannte. Angst vor Hindernissen, Hirn ausschalten, schneller, immer schneller, fahren, rutschen, Mund zu, es spritzt, Erschöpfung,…

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Mittagspause war im Gasthof Dornröschen

mit Nudeln Bolognese, Getränken und Kuchen.

Und ich hatte Spaß, ich war müde, schmutzig, zittrig, glücklich.

In der Pause wurden die Räder wieder, so nötig, gewartet, kleinere Reparaturen durchgeführt. Jörg hatte einfach alles dafür in seinen Landrover, der ja mit Barbara und Conny, als Versorgungsfahrzeug, immer wieder anzutreffen war, dabei.


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Es ging dann wieder los, dieses Mal mit sehr lautem Jaulen, zwengs der vielen schmerzenden Hinterns (was ist die korrekte Mehrzahl von Hintern?). Wir radelten von der Ziegelhütte ins Fischbachtal, wo es tatsächlich Fischweiher hat, bis hinauf zum Schloss Lichtenberg.

Auf dem Schloss verteilten wir dann auch meine super speziellen, extra für den Cross entworfenen, leider meinen Kitchen Aid Mixed geschrottet habenden

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Zutaten

(für ca. 80 Stück)

200 g getrocknete Aprikosen

200 g getrocknete Beeren

350 g getrocknete Softfeigen

140 g getrocknete Cranberries

300 g gemischte Nüsse (alles rein was so da ist,..)

80 g Hirse geschrotet

40 g gemahlene Leinsamen

80 g Amaranth-Puffmüsli (z.B. vom dm)

40 g Junior Porridge (auch z.B. von dm)

30 g Superfoodpulver nach Geschmack (ich hatte Hibiskus Cranberry)

40 g Hanfproteinpulver

7 EL weißes Mandelmus

3 EL Honig

50 g brauner Zucker

5 Tropfen Orangenöl

3 EL Reismehl

240 ml Wasser

3 EL Ingwersaft

Schale 1/2 Zitrone

200 g gehackte Walnüsse

50 g Zucker

Sesam, Pistazien, Mandelblättchen zum Wälzen

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Zubereitung

50 g Zucker in einer schweren Pfanne schmelzen lassen. Walnüsse hacken, in die Pfanne geben und karamellisieren. Dabei zügig umrühren, sonst werden sie bitter. Die Nüsse auf ein mit Backpapier belegtes Backblech zum auskühlen kippen.

Trockenfrüchte und Nüsse möglichst fein hacken und dann mit dem Wasser und Mandelmus so fein es geht pürieren. Wenn der Mixer raucht, ist es übrigens nicht gut! Vielleicht liest das ja der ein oder andere Hersteller und will mir zeigen, das deren gerät dafür geeignet ist,… Unserer war anscheinend altersschwach.

Alle übrigen Zutaten dazu geben und kneten, bis ein homogener, immer noch sehr klebriger Batzen entstanden ist.

Jetzt mit leicht feuchten Händen Kugeln formen und in der gewünschten Deko wälzen.

Fertig!

Wie lange die Dinger haltbar sind, kann ich leider nicht sagen. Bisher wurden die immer sofort dezimiert.

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Space Trip durch Hanfpulver?

Öhm, nein, da muss ich Sie enttäuschen. Wobei das natürlich jeder so halten kann wie er will. Also das Protein, das dem Eiweiß ähnlich ist, steckt halt in den Samen und nicht den Blüten oder Blättern. Und ich würde was anderes ja niemals propagieren! Aber natürlich bin ich sehr neugierig, also was verschiedene Lebensmittel und Zutaten anbelangt. Sie können mir ja mal berichten, wenn Sie sich trauen!

Nach der Pause

ging es weiter ins Modautal (leck mich, die Abfahrt war so sensationell!), rauf zur Kuralpe und zu guter Letzt einen mächtigen, rutschigen, wurzeligen Waldpfad, runter bis zum Startpunkt, dem Brandhof. Holla die Waldfee, das war zum Schluss nochmal so ne richtige gute Laune Nummer!

Im Brandhof wuschen viele Biker Ihre Räder im Bach. Telefonnummern wurden getauscht, Hände geschüttelt. Wir hatten immerhin 1200 hm bergauf, 1250 hm bergab und 55 km gemeinsam erlebt.

Leider hatte Ihre Frau B. am Samstag Früh vergessen, Ihr Licht am Auto auszuschalten. Das hat dazu geführt, dass der erschöpfte, etwas säuerliche Herr B. beide schmutzigen Räder in sein sauberes Firmenauto verpackt hat. Montag Früh sind wir dann mit Fremdstartkabel losgezogen, um meinen geliebten Senior wieder flott zu machen. Lieber Herr B. es tut mir wirklich sehr leid! Ich hab Dir dafür Dein Rad geputzt!

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Scheiße, da waren an diesem Wochenende immer wieder steile Hänge dabei! Am Sonntag, als ich aufgewacht bin, wollte ich erst nicht mehr radeln. Doch dann hatte ich mir vorgenommen, einfach nicht akkusparend zu fahren und bin so, wie geil ist das denn, an den anderen Radlern an den steilen Stellen, vorbei gezogen. Ganz ehrlich! Ich hätte die Tour ohne Motor so niemals hin bekommen.

Ich fand es grandios, dass Rotwild Bikes es solchen Menschen wie mir, ermöglicht, in diese Welt hinein zu schnuppern.

Ich habe tiefen Respekt und Achtung vor den Bikern, die diese beiden Tage aus ihrer reinen Muskelkraft und Willen bestritten haben!

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Der Odenwald Cross

hat mich, Ihre Frau B., an meine körperlichen und mentalen Grenzen gebracht. Trotz E-Bike, ja, ich muss es nochmal zugeben! Ich wollte abbrechen, weinen, alles hin schmeißen.

Und dann? Was ist passiert? Ich kann es Ihnen verraten.

Der Willen steht über dem Körper. Die Gruppendynamik ist grandios, wenn man sie zulässt. Die Fahrer unterstützen sich, respektieren sich, man darf Teil einer Gemeinschaft sein, Teil einer Erfahrung, die man nicht oft hat. Es geht um Grenzen Ausloten, um Adrenalin, um Spaß am Leben.

Will ich daheim auf der Couch sein? Will ich darauf warten, dass in meinem alltäglichen Leben etwas passiert? Oder kriege ich meinen Arsch hoch? Schau einfach, wie die anderen vor mir Hindernisse annehmen und mache das nach? Träume ich von Dingen, oder lebe ich sie?

Letztes Jahr durften wir, bei unserem Besuch in der Temimina Höhle eine ähnliche Erfahrung machen. Körperliche Erschöpfung bis zu den Tränen, kurz vor dem Zusammenbruch. Doch wir zehren immer noch davon. Und der Odenwald Cross?

Der ist nicht am anderen Ende der Welt. Der findet um die Ecke statt,…

Hier, in Hessen.

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Dank Jörg Wellmann und seinem Team eröffnet das jedem von uns, der sich traut, der sich motivieren kann, ein unglaublich bereicherndes Erlebnis! – Und dank der riesigen blauen Flecken an meinen Beinen hab ich da wirklich noch lange was davon,…

Ja, am Samstag wollte ich aufgeben, wollte nie wieder was von solchen Cross Fahren wissen. Aber wissen Sie was? Das mit den Schmerzen ist beim Menschen recht gut geregelt. Die vergessen wir recht schnell. Es bleiben die wirklich tollen Erinnerungen, die saucoolen Fotos, das Lachen, die Freude, die da zu sehen sind.

Vielleicht mag ja der ein oder andere Odenwald Cross Biker kommentieren, wie er/ sie das Wochenende empfunden hat. Oder vielleicht gibt es ja eine/n Leser/in, die von einem ähnlichen Erlebnis, einer solchen Erfahrung erzählen möchte.

Ich jedenfalls bin motiviert, habe Kraft in meiner Seele gespeichert. Habe mich selbst überwunden, bin gewachsen, bin aufgestanden! Meine Knie tun nur ein klitzekleines bisschen weh und selbst das stört mich nicht. Denn dann denke ich an die Abfahrten, an die Wurzeln, die Gespräche, das Erlebnis.

Hey, an alle, die Ihr mitgeradelt seid! Bis zum nächsten Jahr!

In diesem Sinne, ganz herzlich,

Eure Frau B.

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